Ein kompletter Europapokal-Tag für die Ostborussen: Am Nachmittag ging es zunächst nach Brackel zur U19 in der Youth League, am Abend dann ins Westfalenstadion zu den Profis. Gegner war zweimal Real Betis – am Ende standen ein 2:2 bei der Jugend und ein wichtiger 2:1-Sieg in der Champions League.
Bei der U19 sah es in den ersten 20 Minuten zunächst richtig gut aus. Dortmund spielte mutig, mit Tempo und machte den Eindruck, als könnte an diesem Nachmittag einiges gehen. Justin Hoy und später Bjarki Gardarsson sorgten dafür, dass der BVB zweimal in Führung ging. Betis fand aber jeweils eine Antwort. Nach dem ersten Ausgleich verlor Dortmund zunehmend den Faden.
Besonders wild wurde es Mitte der ersten Hälfte: Hoy traf zunächst die Latte, Gardarsson brachte den BVB anschließend wieder mit 2:1 in Führung. Wenig später bekam Betis einen Elfmeter, doch Aaron Held parierte den Strafstoß von Ricardo Funez. Eigentlich genau der Moment, der einer Mannschaft noch einmal richtig Auftrieb geben kann. Stattdessen wirkte es danach eher so, als wäre bei Dortmund ein wenig die Luft raus. Betis übernahm mehr und mehr das Spiel und kam in der 36. Minute zum 2:2.
In der zweiten Halbzeit kam der BVB dann nicht mehr richtig in den Rhythmus zurück. Betis hatte optisch mehr vom Spiel, Dortmund verteidigte das Remis aber ordentlich und brachte den Punkt über die Zeit. Mit nun sieben Punkten bleibt die U19 in der Youth League weiterhin auf Kurs Richtung Sechzehntelfinale.
Ein paar Stunden später ging es mit den Profis weiter – und dort sahen wir einen BVB, der uns deutlich besser gefallen hat.
Dortmund trat mutig auf, suchte den Weg nach vorne und war über weite Strecken die aktivere Mannschaft. Schon früh musste man allerdings einmal durchatmen, als Antony in der 13. Minute traf. Der Treffer wurde wegen Abseits aberkannt. Bitter wurde es dann nach etwas mehr als einer halben Stunde: Guirassy musste verletzt runter, für ihn kam Kostas Karetsas.
Zur Pause stand es trotzdem 0:0.
Nach dem Seitenwechsel brauchte Dortmund dann nur vier Minuten. Bellingham brachte den Ball gefährlich Richtung Tor, Betis-Keeper Vallés konnte zunächst noch parieren – Fábio Silva war aber hellwach und schob den Abpraller zum 1:0 über die Linie. Genau diese Konsequenz hatten wir in einigen Spielen zuletzt vermisst.
Der BVB war jetzt richtig drin und hatte Möglichkeiten, das 2:0 nachzulegen. Karetsas scheiterte unter anderem am Torhüter, auch ansonsten war Dortmund in dieser Phase deutlich näher am nächsten Treffer.
Und trotzdem wurde es wieder unnötig spannend.
Ein Ballverlust im Aufbau, Betis schaltet schnell um und Ruibal trifft in der 67. Minute zum 1:1. Wieder so ein Gegentor, bei dem man sich denkt: Muss eigentlich nicht sein.
Aber dieses Mal kam die Antwort sofort.
Nur fünf Minuten später bekam Karetsas den Ball von Fábio Silva, zog aus rund 17 Metern ab – 2:1! Erstes Pflichtspieltor für den BVB. Und nach seinen zuletzt schwierigen Wochen mit Kreislaufproblemen und der anschließenden Bänderverletzung dürfte sich dieses Tor für den 18-Jährigen besonders gut angefühlt haben.
Die Zahlen unterstreichen, dass der Sieg verdient war: 15:11 Abschlüsse, 6:4 Schüsse aufs Tor, 5:2 Großchancen und 2,50 zu 0,75 xG. Dortmund war über weite Strecken mutig, aktiv und deutlich zwingender als in einigen der letzten Auftritte.
Aber natürlich wäre es nicht der aktuelle BVB, wenn wir uns die letzten Minuten entspannt hätten anschauen können.
Betis warf noch einmal alles nach vorne, Dortmund zog sich zunehmend zurück und plötzlich wurde aus einem eigentlich kontrollierten Auftritt doch wieder eine Zitterpartie. Genau das bleibt ein Thema: Wir schaffen es momentan viel zu selten, solche Spiele nach einer Führung einfach souverän zu Ende zu spielen.
Diesmal hielt die Defensive aber stand.
2:1. Drei Champions-League-Punkte. Dritter Sieg im vierten Spiel der Ligaphase.
Und unterm Strich war das ein guter BVB-Tag: Erst die U19 mit einem Punkt in der Youth League, danach ein verdienter Sieg der Profis. Spielerisch war bei den Profis vieles dabei, was wir in den vergangenen Wochen vermisst haben – Mut, Tempo und endlich wieder mehr Zug zum Tor.
Wenn wir jetzt noch lernen, solche Spiele ohne Herztabletten über die letzten zehn Minuten zu bringen, sind wir auf einem ziemlich guten Weg.
2:2 am Nachmittag. 2:1 am Abend. Ein langer Europapokal-Tag mit Happy End. 🖤💛
Nur der BVB!